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    MIND-Center

    "sinn kaa Breetsche da"

    11/01/2012

    Lehr-Lern-Labor über den MINT-Bereich hinaus: Biologie,Physik und Sprachen

    Schüler an der Station Lautschrift-Scrabble

    Was kommt dabei heraus, wenn Studierende für die Fächer Biologie, Physik, Französisch und Spanisch gemeinsam ein Lehr-Lern-Labor für Schüler entwickeln? Acht sehr unterschiedliche Stationen, die sich mit der Produktion und der Wahrnehmung von Sprache auseinandersetzen.

    Es ist die wohl erste Zusammenarbeit von Natur- und Geisteswissenschaftlern im Bereich der Fachdidaktiken: Acht Lehramtsstudierende der Fächer Biologie, Physik, Französisch und Spanisch haben in den vergangenen Monaten in einem Projekt des MIND-Centers und der Didaktik der romanischen Sprachen an der Universität Würzburg ein einzigartiges Lehr-Lern-Labor entwickelt.

    Ihr gemeinsames Thema ist die Sprache, genauer gesagt die Phonetik, also die Beschreibung von Lauten als den Bausteinen der Sprache. Im Rahmen ihrer schriftlichen Hausarbeiten haben die Studierenden das fächerübergreifende Lehr-Lern-Labor „BioPhysik & Sprache“ konzipiert. Schüler können sich dort an acht Stationen aktiv mit den verschiedenen Facetten der Phonetik auseinandersetzen.

    Die Produktion von Lauten

    Um die Produktion von Lauten geht es beispielsweise an den ersten beiden Stationen. Mit einem Luftballon in einer Plastikflasche und zwei Teelöffeln im Wasserstrahl lässt sich dort viel über die physiologischen Grundlagen der Sprache lernen. Wer wissen will, wie ein bestimmtes Wort in einer Fremdsprache ausgesprochen wird, ist dankbar, wenn er die Lautschrift dazu vorliegen hat. Und so können die Schüler im Lautschrift-Scrabble spielerisch den Unterschied beispielsweise zwischen bilabialen Plosiven („p“ in „packen“) und labiodentalen Frikativen („v“ in „vier“) erlernen.

    Nichts als Schwingungen

    Physikalisch gesehen sind Laute nichts anderes als Schwingungen; Lautäußerungen quantitativ zu beschreiben ist Aufgabe der akustischen Phonetik. Auch zu diesem Bereich haben die Studierenden Experimente entwickelt. Dort schwingen Stimmgabeln und zeichnen am Rechner charakteristische Kurven. Am Monitor können die Schüler die faszinierende Einzigartigkeit der eigenen Stimme sehen. Darüber hinaus schließen sie Bekanntschaft mit typischen Größen der Physik wie Amplitude und Frequenz und daraus abgeleiteten Auftragungen der Phonetik wie dem Oszillogramm, dem Sonagramm oder der Formantkarte.

    Der Weg ins Gehirn

    Durch das Ohr kommt die Sprache ins Gehirn: die Domäne der perzeptiven Phonetik. Hier experimentieren die Schüler an einem Modell des Innenohrs und verstehen, wie dort komplexe Audiosignale in ihre Frequenzbestandteile „zerlegt“ und dem Gehirn zur Interpretation zur Verfügung gestellt werden. Mit Hörbeispielen bekommen sie einen Eindruck der Wahrnehmung von Hörgeschädigten, bei denen diese Vorgänge im Innenohr gestört sind. Und sie erfahren, wie aktuelle Medizintechnik, beispielsweise das Cochlea-Implantat, die Funktion des Innenohrs teilweise ersetzen kann.

    Hören ist subjektiv

    Wie Menschen Sprache wahrnehmen, wird durch Faktoren wie ihre Erwartung, Erfahrung, ihr Vorwissen und ihre Aufmerksamkeit beeinflusst. Sprachwahrnehmung ist immer eine subjektive Rekonstruktion unserer Umwelt. Das können die Schüler konkret erleben, wenn sie ein Lied des hessischen Duos „Badesalz“ vorgespielt bekommen. Es beginnt mit italienischem Text und wechselt – von den meisten Hörern unbemerkt – ins Deutsche. Da wird dann die hessische Liedzeile „Schon am Morje sinn kaa Breetsche da“ („Schon am Morgen sind keine Brötchen da“) problemlos als gesungenes Italienisch akzeptiert.

    Kooperation zwischen Sprachen und Naturwissenschaft

    Das Lehr-Lernlabor „Biophysik & Sprache“ wurde unter der Federführung von Markus Elsholz (Fakultät für Physik), Thomas Mühlbauer (Fakultät für Biologie) und Daniel Reimann (Philosophische Fakultät I) entwickelt. Es beweist nach ihren Worten, dass am MIND-Center fächerübergreifendes Lernen und Lehren zwischen naturwissenschaftlichen und sprachlichen Fächern möglich ist, und zeigt damit auch Perspektiven auf, wie eine Kooperation im fachdidaktischen Bereich zwischen natur- und geisteswissenschaftlichen Fakultäten aussehen könnte.

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