
Seit dem Sommersemester 2008 wird in der Physik jedes Semester ein Lehr-Lern-Labor-Seminar angeboten. Das Seminar beginnt mit einer praxisbezogenen, fachdidaktischen Einführung zu schülerzentrierten Unterrichtsmethoden, in der Themen wie „Gestaltung und Merkmale einer schülerzentrierten Unterrichtsform; die Rolle der Lehrkraft bei der Betreuung“ sowie „Kriterien für ein gutes Schülerexperiment und eine dazu passende Arbeitsanleitung“ vermittelt werden. Danach erhalten die Lehramtsstudierenden die Gelegenheit, unter Begleitung der Dozenten, berufsbezogen zu arbeiten: Sie konzipieren und erstellen Experimentierstationen und betreuen im Anschluss daran mehrmals Schülergruppen, die das Lehr-Lern-Labor an der Universität durchlaufen. In den beiden Phasen „Erstellung“ und „Durchführung“ schlüpfen die Seminarteilnehmer/innen in die Rolle der Lehrkraft, in der sie erstes handlungsorientiertes Erfahrungswissen erwerben und Unterrichtskompetenzen entwickeln können. Sie werden dabei von den Dozenten des Seminars betreut und erhalten ein individuelles Feedback über ihr Lehrerhandeln.
Die Rückmeldung der Seminarteilnehmer/innen zu diesem praxisnahen Seminar ist äußerst positiv. Die Lehramtsstudierenden befürworten das Angebot dieser Lehrgelegenheit mit direktem Schülerkontakt. Sie schätzen es, dass ihre fachdidaktischen Kenntnisse und ihr fachliches Wissen verzahnt werden und zur Anwendung kommen und dass sie während der Betreuung der Schüler/innen die Gelegenheit haben, die Inhalte ihrer betreuten Station(en) mehrfach hintereinander den einzelnen Schülergruppen zu vermitteln („repetitive Praxis“). Das Feedback durch die Dozenten wird als sehr konstruktiv und hilfreich empfunden.
Aufgrund dieser Rückmeldungen an die Studierenden gelingt es auch, dass sie bei der Lehr-Lern-Labor-Durchführung die Schüler/innen nur anleiten, so dass diese wirklich eigenständig arbeiten können. Die folgende Tabelle, in der jeweils der prozentuale Anteil der verschiedenen Interaktionszeiten an der Gesamtzeit angegeben ist, verdeutlicht diesen Sachverhalt.
| Mittelwerte für 10 Betreuer/innen | 1. Betreuung | 3. Betreuung |
| Gesamtzeit Betreuer | 40 % | 21 % |
| Gesamtzeit gemeinsam | 19 % | 12 % |
| Gesamtzeit Schüler | 42 % | 67 % |
| reine Schüler-Experimentierzeit | 16 % | 32 % |
Auch die Rückmeldung der Schüler/innen, in der dargestellten Abbildung von der 3. Betreuung der Lehramtsstudierenden beim Lehr-Lern-Labor „Sensorik“, verdeutlicht diesen Sachverhalt.

Lehr-Lern-Labore entstehen in der Physikdidaktik im Rahmen einer ersten Staatsexamensarbeit oder innerhalb des Lehr-Lern-Labor-Seminars. Die bisher erstellten Lehr-Lern-Labore decken alle Klassenstufen ab. So entstanden bspw. für die Unterstufe Lehr-Lern-Labore zu den Themenbereichen „Optik“ sowie „Druck“, für die Mittelstufe Labore zum Thema „Sensorik“, „Physik und Medizin“ oder „Wärmebildkamera“ und für die Oberstufe die Labore „Digitalfotografie“ oder „Astrophysik“. Die Lehramtsstudierenden haben daher die Möglichkeit, ihre Betreuung in verschiedenen Klassenstufen zu erproben (was von vielen genutzt wurde) und erhalten dabei einen schulbezogenen Einblick in ein Spektrum von physikalischen Themen.
Im 1 ½-jährigen Zeitraum seit dem Start der Lehr-Lern-Labore, wurden im Fachbereich Physik die Labore von knapp 1000 Schüler/innen durchlaufen. Die positiven Befragungsergebnisse der Lehrkräfte wie auch der Schüler/innen, die mindestens ein Lehr-Lern-Labors besucht haben, zeigen einen hohen Zuspruch der Lehr-Lern-Laborbesuche von Seiten der Schule.
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